DasRockt! Magazin

Frei.Wild – „Rivalen und Rebellen“

Christoph Steger 14. März 2018

Als sich im Jahre 2001 die Südtiroler Formation „Frei.Wild“ bildete, hätten selbst einige Jahre später wohl nur die Allerwenigsten eine vage Vermutung anstellen können, wo diese Reise einmal hinführen wird. Heute schreiben wir das Jahr 2018 und kaum jemand, der eine Affinität zu deutschsprachiger Rockmusik hat, wird ohne etwas von Frei.Wild gehört zu haben, sehr weit gekommen sein. Zum Aufstieg prädestiniert und ohne jemals den Faden des nie enden wollenden Erfolgs zu verlieren, hat nicht zuletzt auch die Öffentlichkeit, insbesondere die etablierte Presse, dazu beigetragen, der Band ihren heutigen Status und Bekanntheitsgrad zu verleihen. Dass die Absicht bisher unzähliger Publizisten eine ganz andere war und weiterhin ist, bleibt gleichwohl ein offensichtlicher Tatbestand. Die Band konnte sich trotz fortwährender Obstruktion und massiver Kritik seitens der Medien durchsetzen und glänzt mit ihrer neuesten Veröffentlichung „Rivalen und Rebellen“, das am 16.03.2018 Teil eures Rock’n’Roll-Breviers werden sollte, heller als je zuvor. Dabei ist der Name des Albums wohlerwogen durchdacht, denn Frei.Wild machen bereits zu Beginn der langersehnten Platte furios und unmissverständlich klar, wofür sie nach wie vor stehen.

„Zwischen allen Fronten“ stellt nicht nur den Opener, sondern auch einen beachtlichen Kickstart mit jeder Menge Umdrehungen für den unaufhaltsamen Eintritt in eine neue Ära dar. Eine Hymne für Fans, die trotz allem Widerstand stolz auf die Schaffenskraft der vier Südtiroler sind. Nein, viel mehr eine Hymne für Fans, die sich dem kontrovers behafteten Ruf der Band bewusst sind und dessen ungeachtet vereint hinter ihr stehen. Auch der Band ist dieser Umstand durchaus bewusst, so besingt Frontmann und Sänger Philipp Burger dieses für Frei.Wild-Fans unentwegte Thema entschlossen und geradlinig, untermalt von rockigen Elementen, wie man sie bereits von bekannten Frei.Wild-Hymnen gewohnt ist.

Laut eigener Aussage könnte „Auf zum Schwur“ das Potenzial für eine zweite Hymne à la „Südtirol“ haben. Wer bereits in Südtirol zu Gast war und die Erinnerungen an dieses schöne Fleckchen Erde während des Hörens Revue passieren lässt, versteht das Gefühl, das die Band mit wenigen aber präzisen Worten treffsicher vermitteln möchte. Der vierte Song auf der neuen Scheibe ist eine durchaus gelungene, philosophische und patriotische Ode an die Heimat der vier Rocker. Nicht zuletzt beherbergt dieser Track zweifelsohne auch Potenzial zur Diskussion, doch ganz bewusst lassen sich die Südtiroler nicht ihrem Stolz widerraten, ganz gleich, wer sich schon bald erneut über den Begriff „Heimat“ lauthals echauffieren vermag. Ob der Song tatsächlich in demselben Maße wie der Hit „Südtirol“ von 2003 aus dem Album „Wo die Sonne wieder lacht“ zelebriert werden wird, ist jedoch eine mutige Prognose.

Der zehnte Titel ist zugleich der Titelsong des gleichnamigen Albums „Rivalen und Rebellen“. Bereits im September letzten Jahres erschien es als Musikvideo auf den Displays ungeduldig wartender Massen. Der Tenor des Tracks ist sogleich der Gedanke des gesamten Albums; nämlich das, was die die Band und ihre Musik seit jeher für ihr Publikum verkörpert. „Unser Wort: Ein spitzes, scharfes Schwert. Biegt sich nicht, bricht nicht, nein es wehrt sich (…)“ ging folglich als ankündigende Aussage kompromisslos an vorderste Front. Der Titelsong ist in dem Fall weniger als Selbstbeweihräucherung, sondern mehr als eine Art und Weise, sich selbst Mut zuzusprechen, zu interpretieren. Die Galionsfigur des schon bald herannahenden Flaggschiffs war somit ausgerichtet und bombenfest verankert.

Der anhaltende Wechsel zwischen groovigen, rockaffinen, langsamen und gefühlvollen Stücken beweist die Dynamik dieser zugegebenermaßen überdurchschnittlich umfangreichen Neuerscheinung. Nach 20 langen Monaten ohne Albumveröffentlichung hat die Band mehr als genug Material und Inspiration angestaut, um ihrem Auditorium endlich „den Durst nach Rock in ihren Ohren zu stillen“.
Mit einer Spielzeit von insgesamt über 2 Stunden genießt jedoch jeder Track eine prägnante Daseinsberechtigung. Natürlich wäre es vermessen, bei insgesamt 33 neuen Songs von einem „All killer no filler“-Album zu sprechen, allerdings bleibt die Scheibe unbestreitbar facettenreich und verfügt de facto über vielerlei charakterstarke und einprägsame Tracks.

Mit „Fick dich und verpiss dich“ machen die Brixener keine Gefangenen. In Song Numero 25 wurde außer der Reihe nicht an simpler Diktion gespart. Um das im Titelnamen unverblümte Thema disponibel zu beschreiben, bedarf es jedoch keiner manierlichen Ausdrucksweise. Niemand ist davor gefeit, im Laufe des Lebens die Wege mit Kretins zu kreuzen. So werden die zum Kopfnicken anregenden Riffs und energiegeladenen Drums von mitreißenden Zeilen überlagert, die deutlich spürbar den Frust und das Ärgernis über eine vollends antipathische Person zum Ausdruck bringen. Definitiv ein Highlight zum Bewerkstelligen allseits bekannter und entrüstender Situationen, die einen aggressiven Refrain zum Akklimatisieren erfordern.

Einen sehr bedeutsamen und für die Band persönlich wichtigen Platz im Album findet „Verbotene Liebe, verbotener Kuss“. Diese zarte Ballade stellt die Frage nach dem moralischen Aspekt, der das Tabu einer Liebe zwischen zwei Menschen rechtfertigt, die verschiedener nicht sein könnten. Sollte beispielsweise die Religion, die Kultur oder gar die Herkunft eines Menschen die Liebe zu dessen Partner untersagen dürfen? Die Umsetzung dieses bisher nie besungenen Themas in der Bandhistorie von Frei.Wild führt im selben Atemzug eine eindeutige Antwort an. Mitnichten; die Band ist sich unbestritten darüber einig, dass Liebe keine Grenzen kennen sollte und fand auch zu diesem empfindlichen Thema adäquate und anmutige Worte.

Durch die vorzeitige Snippet-Veröffentlichung wurden bereits Stimmen laut, die einen vermeintlich viel zu großen Gehalt an langsameren, gar „schnulzigen“ Songs kritisieren. Tatsächlich aber macht sich der aufbrausende Albumname „Rivalen und Rebellen“ alle Ehre und verspricht neben einer Hand voller Balladen einen Hauptbestandteil aus definitiv stürmischen Elementen, die den Ohrwurm in euren Gehörgängen heranzüchten werden. Nichtsdestotrotz lässt sich über den Wandel der Band streiten. Die einen stellen keine abflachende, stilistische Umorientierung in der Entwicklung ihrer Musik fest, während wieder andere sich etwas völlig Divergentes unter der letzten oder der aktuellen Veröffentlichung vorgestellt haben, beziehungsweise gewünscht hätten.

Fakt ist: Frei.Wild konnten mit „Rivalen und Rebellen“ erneut ein exzellentes Studioergebnis aus dem Hut zaubern, das auch im Rahmen der kommenden Tour mühelos für mächtig Gesprächsstoff sorgen wird. Mit an der Produktion beteiligt waren erneut Alexander Lysjakow und Jörg Wartmann, die der Band im Studio mit Rat und Tat nach wie vor treu zur Seite stehen.

Frei.Wild „bringen alle um… um Angst, um Hass, um Idiotie“. Sie sind stets „Antiwillkommen“ und das „Für immer, für ewig, unendlich“. Sie stehen nach wie vor „Zwischen allen Fronten“, doch sind sie „Unbrechbar“, denn „Geartete Künste hatten wir schon“.

An dieser Stelle wünsche ich der Band weiterhin viel Erfolg und Danke für die vorzeitige Zurverfügungstellung des Albums.

(Christoph Steger)

Punkte: 6/6
VÖ: 16.03.18
Label: Rookies & Kings

About The Author

Comments are closed.