DasRockt! Magazin

Rock am Ring 2015

Dani 12. Juni 2015 Konzertberichte, Online-Exklusiv

Rock am Ring
Mendig
05. – 07. Juni 2015

Im Vorfeld des diesjährigen Rock am Ring hatte man schon stellenweise das Gefühl, dass die ganze Welt auf die kleine Ortschaft Mendig blickt. Was ist der Ring ohne Ring? Wie wird es sein? Woran werden die Veranstalter scheitern?

Man braucht hier nur eine Szene beschreiben und zerschmettert all die Unkenrufe und Befürchtungen. Sichtlich mitgenommen und doch tief beeindruckt steht Marek Lieberberg auf der Bühne. Sein kurzer Bericht über die Gewitternacht, die Verletzten und die vorbildliche Arbeit der Polizei, Sanitäter sowie den Helfern der Veranstaltung, wird unlängst von lautstarken “Wir sind der Ring – wir sind der Ring” Rufen übertönt. Emotionen pur, die alle Zweifler wohl verstummen lässt.

Aber auch musikalisch hatte die dreißigste Auflage des Rock am Rings so einiges zu bieten. Bunt gemischt war dieses Programm, welches für jeden Besucher seine persönlichen Highlights auf dem Silbertablett präsentiert bekam. Alte Weggefährten wie die “Die Toten Hosen” trafen auf die Ring-Neulinge der “Foo Fighters”. HipHop-Beats wurden durch schrille Gitarrenriffs oder auch durch lautes Shouten abgelöst. Vier Bühnen – Musikvielfalt Deluxe.

Musikalische Highlights

Ganz klare Gewinner waren sämtliche Kapellen, die das Glück hatten am Freitag auf der großen Volkano Stage auftrumpfen zu können. Hier legten die Donots bereits zur frühen Nachmittagszeit den Grundstein für jeglichen musikalischen Ohrorgasmus sowie Augenschmaus. Gewohnt quirlig sprangen die Herren aus Ibbenbüren über die Bühne, die zusätzlich noch mit zwei weiteren Gastdrummer (Die Toten Hosen & Sportfreunde Stiller) verblüfften und begeisterten. Gab es jemals einen so starken Festivalopener? Eher nein. Lebende Legenden heizten bei wohlig warmen Temperaturen weiter an mit ihren Klassikern wie “21st Centry Digital Boy”. Bad Religion gehören selbst ergraut nicht zum alten Eisen und sind ganz sicher ein fester Bestandteil des RAR und machten Platz für die eher jungen Wilden unter den Bands am ersten Tag auf der Volcano Stage. A Day To Remember sowie die Düsseldorfer von den Broilers brachten frischen Sound durch die Boxen, der magnetgleich die Menge anzog. Gerade die Entwicklung der Broilers in den letzten Jahren ist bemerkenswert und der Weg zeigt weiter steil noch oben!
Handgeschriebene Schilder mit der Aufschrift “Vegan” im Publikum lassen den Kenner wissen, dass Rise Against mit ihrem nicht müde werdenden Drang die Welt etwas besser zu machen, die Bühne stürmen werden. Zwischen “Satelitte” und “Black Market” bleibt kein Platz zum mäkeln.
Mit einer scheinbar durchlebten Verjüngungskur trumpft ebenfalls Marilyn Manson absolut auf. Nach eher durchwachsenen Auftritten in der jüngsten Vergangenheit scheint sich der Rocker seiner Verantwortung für dieses bedeutende Festival bewusst zu sein und lässt auch für zukünftige Konzerte hoffen.

Quirlige Punker meets skandinavisches Blut meets Gitarrengott. So einfach kann man die Schmankerl des zweiten Tags beschreiben. Zebrahead gehören ebenso wie am Vortag die Donots zu den Opener Deluxe. Mit neuem Album im Gepäck und einer nicht abklingenden Spielfreude beleben sie jede müden Geister vor der Bühne. Genau das Richtige nach so einer Gewitternacht. Ebenso die darauffolgenden Schweden aus Malmö schwingen gekonnt das Stimmungszepter. Royal Republic überzeugen durch ihre freundliche Mimik und einer unbeschreiblichen Liebe zu ihren Instrumenten. Die „hachmach“ Lieblinge von sicherlich einigen Frauenherzen. Und wie ein Gitarrengott sämtliche Mitmusiker auf der Bühne in Schatten stellt, kann nur einer unter Beweis stellen: Slash.

Australischer Metalcore Deluxe. Die Boys von Downunder werden sicherlich so manch einen Fan, der vielleicht schon für die nachfolgenden Bands angestanden hat, dazugewonnen haben. Spritzig, frisch und in absoluter Topform mag man ihnen nur noch „her mit der neuen Platte“ entgegen schreien. Mehr, davon möchte man definitiv mehr. Mehr Crowdsurfer wünschen sich In Flames, die entsprechend provokativ auf der Bühne stehen und die Fans zu sich winken. Gerade auch wegen dem Crowdsurfing-Verbot dürften In Flames sowie die Boys aus Australien die Kings der Surfer des Wochenendes gewesen sein.
Krönender Abschluss auf der Volcano Stage bildet die Band „Foo Fighters“, die ihren ersten Auftritt auf dem RAR 2015 würdig bestreiten, aber etwas an Ecken und Gänsehautmomenten zu wünschen übrig lassen. Gänsehaut ist auch kein Wort, welches einem zu den maskierten Musikern von Slipknot einfällt. Grandiose „wo schau ich bloß hin“ Show, die sämtliche Sinne des menschlichen Körpers anspricht.

Deutsche Künstler

Müssen sich auf dem RAR deutsche Künstler vor den internationalen Namen verstecken? Die ganz klare Wort lautet: Nein! Deichkind sowie Kraftklub zeigen hier eindeutig, wie es funktionieren kann oder muss. Eine mehr als durchdachte Show, mit abwechslungsreichen Elementen und der immer präsenten Fannähe dürften für viele Fans ganz oben auf der Highlight-Liste stehen und unvergessen bleiben. Weniger spektakulär, aber auch mit großem Unterhaltungswert trumpfen die Punker von Sondaschule auf. Auch eine Band, die man im Auge behalten sollte (neues Album in Kürze)

Musikalisch unter den Erwartungen blieb…

… Clueso, der im Gegensatz zu anderen Künstler seines Genres eher blass und unspektakulär auf der Crater Stage blieb.
… Tocotronic, die es nicht schafften den Kontakt zu dem Publikum aufrecht zu erhalten.
… Trailerpark, Prinz Pi und K.I.Z. gehen sicherlich als langweiligster Nachmittagssnack überhaupt in die Geschichte ein.
… Myles Kennedy & The Conspirators gehen neben Slash auf der Bühne einfach unter
… Bastille bleiben – auch mit einiger Verbesserung – eine Band für Studioalbem. Ein introvertierter Sänger lässt sich leider nicht auf Anhieb umkrempeln.

Pechvögel des Ring

Durch das Gewitter sind ganz klar die eher späteren Acts des ersten Abends die Pechvögel von Mendig. Durch das sichtbar ankommende Gewitter strömten bereits gegen 23 Uhr die ersten Besucher zu ihren Zelten sowie überdachten Zimmern und dürften so einige Highlights – wie den neuen Sänger der Band Asking Alexandria – verpasst haben.

„Wir sind der Ring Künstler“

Kaum eine Band scheint so verwachsen mit dem RAR zu sein, wie die Düsseldorfer „Toten Hosen“. Ähnlich wie die bewegende Rede von Marek Lieberberg keine 24 Stunden nach dem Auftritt der Hosen, schaffen die Punkrocker einen Gänsehautmoment nach dem anderen. Bei der bewegenden Geste „Wir filmen für unseren an Krebs erkrankten Wölli mit“ während des Songs „Steh auf, wenn du am Boden bist“, dürfte auch so manch ein Auge am Ring nass geworden sein. Ebenso war es das erste RAR ohne ihren Manager Jochen, der Anfang des Jahres verstorben war. Aber neben all den möglichen Tränen, vergessen Die Toten Hosen niemals auch das Leben und somit das Rock am Ring 2.0 zu feiern. Einziges Manko dieses Auftritts: das Highlight gab es schon am ersten Festivaltag.

Ausbaufähig

Das Gelände in Mendig bietet im Gegensatz zu dem Nürburgring eine Vielzahl von Möglichkeiten sich zu entfalten. Kurze Wege zwischen den Bühnen. Riesige Menschen, die theoretisch alles überblicken könnten. Sind einige von den Vorteilen. Ebenso dürfte Mendig den Besuchern das Erlebnis „Festival“ wesentlich näher zu bringen als das Areal zuvor. Ausbaufähig scheint hier lediglich der „Freizeitpark“ zu sein und wenn man wirklich was zu meckern sucht, dann noch das Essensangebot in den Buden. Gerade hier könnte man den Besuchern noch einen zusätzlichen Geschmacksorgasmus bescheren mit außergewöhnlichen Mahlzeiten, die man eben nicht auf jedem Festival findet.

Mendig verschmilzt mit dem Rock am Ring und lässt den Vorgänger blass im Regen stehen.

Bericht: Rafael & Dani
Bilder: Dani

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Dani

Redakteur - Verantwortlich für die Bereiche Rock, Metal, Metalcore, Gothic sowie Fotograbenrockerin zum pixeligen Einfrieren von Konzertmomemten.

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