DasRockt! Magazin

Thomas Fischer – Shoutcoach

Thomas 31. Oktober 2017 Interviews, Magazin

Die Stimmlage des Sängers einer Band spielt eine große Rolle. Tiefe Stimmen sind in unserem Genre bevorzugt. Auch schreien ist erwünscht, aber man muss es auch können! Kann man das „Shouten „, wie man in Fachkreisen dazu sagt, erlernen? Die Antwort gibt uns Thomas Fischer, derzeit wohl der Einzige, der diese Art von Gesangsunterricht anbietet. Er selbst nennt sich „Shoutcoach“ und seine Erfahrung wird nicht nur von Anfängern in Anspruch genommen, auch namhafte Künstler holen sich bei ihm Rat! Das machte uns neugierig und wir sprachen mit Thomas über seine ungewöhnliche Tätigkeit!

DasROCKT!: Für diejeningen, die dich nicht kennen, erzähl uns ein wenig über dich und was du so machst.

Thomas: Ich fange mal mit dem Bereich an, der für euch vermutlich der Interessantere ist. Ich bin Shoutcoach, das heißt, ich bringe Menschen das musikalische „Schreien“ bei. Wie der ein oder andere den Anführungsstrichen entnehmen mag, hat dies wenig mit tatsächlichem Schreien zu tun. Davon abgesehen bin ich noch Qualitätsmanagementbeauftragter in einem Labor für Umwelttechnologie, dies dürfte aber hier irrelevant und eher langweilig sein.

DasROCKT!: Deine Vermutung liegt genau richtig. „Shoutcoach“ – also eine Art „Vocalcoach“ nur extremer, oder wie müssen wir uns das vorstellen?

Thomas: Das kann man so sehen, ja. Vocalcoach ist in dem Zusammenhang aber vielleicht etwas Irreführend, weil mein Fokus tatsächlich erstmal darauf liegt, einen stimmlosen Schrei auszubilden. Extremer ist das Ganze vor allem in der Hinsicht, dass wir größtenteils Muskulatur ansprechen müssen, die sonst eher vegetativ gesteuert wird und somit erstmal schwerer zugänglich ist. Erst danach kommt der Sound, der sicherlich erstmal extremer wirkt als normaler Gesang.

DasROCKT!: Das hört sich anstrengend an, wie viele Sitzungen sind nötig um den perfekten Sound zu erlangen?

Thomas: Das ist so pauschal schwer zu sagen. Jeder Jeck ist anders. Da ich aber auch streng drauf achte, kann ich sagen, dass meine Schüler im Durchschnitt vier bis fünf Monate brauchen. Natürlich gibt es Ausnahmen von der Regel, allerdings muss man auch sagen, dass selbst die Extremfälle im Vergleich zu Gesangsunterricht oder Instrumentenunterricht nicht wirklich lange brauchen. Es geht also um einen überschaubaren Zeitraum. Man muss aber der Fairness halber sagen, dass ich Schüler, die nicht üben auch aus dem Unterricht nehme, weil ich da die Verantwortung nicht übernehmen kann. Das beschönigt meine Statistik natürlich. Die Schüler, die vier bis fünf Monate brauchen, haben auch ordentlich gearbeitet!

DasROCKT!: Also du trennst schon die Spreu vom Weizen? Mal angenommen wir hätten einen absoluten Laien, der eigentlich nicht singen kann, könnte man trotzdem aus ihm einen ordentlichen Death Metal Sänger machen? Vorausgesetzt er übt nach deinen Vorgaben?

Thomas: Absolut! Jeder kann Shouten, Growlen und Sreamen lernen! Das Werkzeug hat uns die Natur so mitgegeben, wir müssen nur lernen damit umzugehen. Wie schnell es geht ist letztlich individuell, große Unterschiede, die maßgeblich aus dem Raster fallen, gibt es da aber nicht. Es gibt aber dennoch ein Ausschlusskriterium. Wenn jemand so gar nichts mit Rhythmik anfangen kann, ist es zwar möglich ihm das Schreien beizubringen, allerdings schwierig bis unmöglich in eine Band zu vermitteln. Aus diesem Grund, versuche ich dies möglichst früh abzuklopfen um sinnfreie Ausgaben zu vermeiden!

DasROCKT!: Gibt es auch Profis die deine Hilfe in Anspruch nehmen? Also namhafte Künstler, die sich vielleicht verbessern wollen?

Thomas: Die gibt es, ja. Paul von „We Butter The Bread With Butter“ und Philipp von “Varg” waren zum Beispiel bei mir. Es gibt da noch einige mehr, aber leider wollen nicht alle in diesem Zusammenhang genannt werden, das muss ich respektieren!

DasROCKT!: Wie bist du auf die Idee gekommen „Shoutcoach“ zu werden? Es ist ja in der Hinsicht schon recht einzigartig!

Thomas: Ich habe selber als Sänger anfangs die Probleme kennengelernt, denen man als Autodidakt ausgesetzt ist und musste feststellen, dass mir niemand helfen konnte. Später bei meiner ersten erfolgreicheren Band 10 Fold B-Low wurde ich dann von einem Fan gefragt, ob ich ihm das nicht beibringen könnte. Ich sagte „Nein, das muss man selber machen!“, was aus heutiger Sicht natürlich vollkommener Unsinn ist. Das war jedenfalls der Urkeim, der mich auf die Idee brachte, mich während meines Biologiestudiums genau mit der Systematik des Shouts und seiner Artverwandten auseinanderzusetzen. Bis ich dann das erste Mal unterrichtet habe, hat es vier Jahre gedauert, in denen ich versucht habe alle Facetten des Shouts zu beleuchten und wissenschaftlich zu hinterfragen.

DasROCKT!: Wissenschaftlich zu hinterfragen? Heißt das es gibt in der Tat Analysen oder so eine Art Studie über dieses Thema?

Thomas: Jain, vor allem bedeutet das, dass ich mich dem Thema mit wissenschaftlichen Methoden genähert habe. Es gibt reproduzierbare Beobachtungen und Frequenzanalysen, aber auch viele Gespräche mit Logopäden und Gesangsdozenten. Des Weiteren war es mir wichtig alle Beteiligten anatomischen Strukturen zu kennen und deren Funktion im Prozess des Shouts zu verstehen. Erst wenn man wirklich versteht, wie das angestrebte Geräusch entsteht, kann man es auch wirklich kontrollieren. Alles andere ist ein Blindflug.

DasROCKT!: Das ist nun mehr als beachtlich und man muss schon dieselbe Leidenschaft zu unserer Musikrichtung teilen, um dein Engagement in dieser Sache zu verstehen. Du selbst singst derzeit in der Band „In Arcane“ wo und wann kann man deine Kunst zu singen bewundern?

Thomas: Danke für die Blumen, aber ich würde das nicht so hoch hängen. Ich mache das wirklich gerne und eben weil ich selber auch Sänger bin, hatte ich natürlich auch ein großes Eigeninteresse den „Shout“ in seine Einzelteile zu zerlegen. Dennoch freue ich mich natürlich, wenn meine Arbeit ernstgenommen und respektiert wird! Tatsächlich habe ich zu diesem Zeitpunkt keine Gigs mit „In Arcane“ ausstehen, wir freuen uns aber natürlich über jeden, der unser aktuelles Album „Shadows Somewhere – Act I“ gratis bei Spotify checkt und uns danach im besten Fall ein Facebook-like schenkt. Wem das Ding so richtig gefällt, würde ich noch Amazon, Bandcamp oder iTunes ans Herz legen, weil wir natürlich auch weiterhin Musik in hoher Qualität produzieren möchten und da auch erhebliche Kosten haben. Das gilt übrigens für alle Bands! Wenn jeder nur jene Bands die er regelmäßig hört finanziell unterstützen würde, wäre das Musikgeschäft ein Stück fairer. (TK)

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Stütze der Nation und Go Go Tänzer bei Let´s Dance! Ansonsten ganz verträglich!

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