DasRockt! Magazin

Saltatio Mortis – Fleißige Fünfzehner

Dani 19. August 2016 Interviews
Saltatio Mortis_2015-1_credit_Robert Eikelpoth

Die Spielleute von Saltatio Mortis bleiben einfach fleißig. Wir sprachen über die Romantik einer „Best Of“ CD sowie ein Resümee aus fünfzehn Jahren Bandgeschichte mit Schlagzeuger Lasterbalk der Lästerliche.

 

DasRockt!: Im Jahre 16 nach eurer Gründung macht ihr eure erste “Best  Of”. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

 

Lasterbalk der Lästerliche: Willst du jetzt eine romantische Geschichte von Drachen, Prinzessinnen und Rittern hören? Oder die Wahrheit? (lacht)

Es ist tatsächlich ganz unspektakulär. Vertraglich ist es so, dass Napalm Records als Plattenfirma ein Anrecht auf ein “Best Of” Album hat und die waren der Meinung, dass es jetzt nach 15 Jahren ganz gut passt. Da haben wir dann gesagt “Ja, würden wir gerne machen!”. Wir selbst hätten wahrscheinlich nie von uns aus eines gemacht. Es ist also tatsächlich aus einem eher unromantischen Grund geboren, aber dennoch ein Kind was man sehr gerne hat. Zumal wir auch einfach uns mehr als sonst in alle möglichen Dinge einmischen konnten. Zum Beispiel das Artwork, das habe ich ja selbst fotografiert. Wir haben da bewusst altes und modernes kombiniert.

Beim Schreiben des Vorwortes ist uns aufgefallen, was wir alles schon erlebt haben, beim zusammenstellen der Songs dachten wir nur “oh mein Gott, wie haben wir damals geklungen?”. Also alles in einem war es eine spannende Entdeckungsreise in die eigene Vergangenheit.

 

DasRockt!: Ihr seid sehr gewachsen in den letzten Jahre. Ist es für euch eine Möglichkeit, die alten Stücke den Fans neu zu präsentieren oder näher zu bringen?

 

Lasterbalk der Lästerliche: Ja könnte man meinen. Allerdings haben wir uns auch da entgegen entschieden. ”Das zweite Gesicht” war damals eher ein Experiment. Wir sind Straßenmusiker und wir haben damals im Studio vom Lutz den ersten Kontakt mit modernen musikalischen Gerätschaften gehabt.

Wir haben darüber nachgedacht, ob so etwas auf eine “Best of” Platte gehört und haben uns letzten Endes dagegen entschieden. Wir wollten keine Musikgeschichte oder musikalische Archäologie machen und penibel darauf achten, dass von jeder Platte mindestens ein Song darauf zu finden ist. Wir haben uns gedacht “Nee, heute sind wir Saltatio, heute klingen wir so.”, das sind Dinge, die uns heute wichtig sind. Da sind wir gelandet sozusagen. Wir haben geschaut, welche die Songs sind, die uns heute gefallen. Wo wir sagen, ja die könnten auch auf einer modernen Platte sein. Und an die sind wir dran gegangen.

 

DasRockt!: Ihr habt immer noch Gründungsmitglieder, aber auch neue Mitglieder. War es für euch interessant zu sehen, wie die neuen Mitglieder die alten Stücke betrachtet haben?

 

Lasterbalk der Lästerliche: So neu sind sie ja nun nicht mehr.  Es ist aber wirklich interessant zu sehen, wie zum Beispiel der Till  zu unserem Song “Erde” sagt, dass er persönlich das nie im Leben so spielen würde.

Er macht sich aber für sich einen Spaß daraus und sagt “Hey, ich lasse mich da jetzt mal darauf ein und probiere das jetzt für mich aus, wie ich damit klarkomme.” und dann während man die Songs probt stellt man fest, dass ein paar Dinge angepasst werden könnten da sie so heute nicht mehr vorkommen würden. Allerdings haben diese Stellen oft ihren eigenen Charme, sodass man sie drin behält. Dadurch haben wir zwar ein paar falsche Töne, die man normalerweise nie so komponieren würde. Aber gerade das macht irgendwie den Charme aus. Also es ist tatsächlich ganz spannend zu sehen, wie der Blick der “Neuen” auf die alten Stücke ausfällt.

DasRockt!: “Licht und Schatten”. Warum habt ihr euch gerade für diesen Titel entschieden?

 

Lasterbalk der Lästerliche: Es war so, dass das Bild eines Musikers, der zwei Nr. 1 Alben im Schrank stehen hat, nicht ganz Vorurteilsfrei ist. Wir leben natürlich das goldene Leben, uns scheint ja die Sonne aus dem Allerwertesten und letzten Endes denken wir ja sowieso nur noch darüber nach, wo wir unser ganzes Geld hintun. Was natürlich nicht so ist. Das sollte jedem klar sein, der sich ein bisschen länger mit Musik beschäftigt. Wir können mit dem was wir haben überleben, aber reich wird hier niemand. Dann unterschätzen viele auch, dass es eine gewisse persönliche Kraft und Aufwand gebraucht hat, um diesen Weg zu gehen. Da sind doch eine ganze Menge Schattenmomente dabei gewesen. Zum Beispiel die Trennung der Gründungsmitglieder 2006. Das war eine wirklich ganz schwere Zeit, aber auch danach dachte ich immer wieder “ja das war’s jetzt. Keine Ahnung wie wir die Band finanzieren wollen. Keine Ahnung wo ich mein Essen im Kühlschrank herbekommen soll.” Das waren teilweise echt herbe Momente. Auch privat wo du feststellst, dass du wegen der ganzen Arbeit keinen Kontakt mehr zu langjährigen Freunden hast. Es gab also eine ganze Menge Schatten in der Vergangenheit.

 

DasRockt!: Wie oft standest du persönlich vor dem Abbruch? Oder hast du immer an Saltatio Mortis geglaubt?

 

Lasterbalk der Lästerliche: Vor dem Abbruch ist schwierig. Ich glaube, es gibt keine bestimmte Größe wo du sagst, Abbruch oder nicht Abbruch. Das ist wohl wie mit einer Trennung. Es kommt ja selten über Nacht, wo du aufwachst und sagst “Morgen gehe ich”. In Wahrheit gibt es da ja ganz viele Schritte vor und zurück, da vergeht eine ganze Menge Zeit und auch Gedankenspiele.

Ich hatte 2006 als es diese Grundentscheidung bei uns gab, genau diese Überlegung. Wäre das Gespräch damals anders verlaufen, dann wäre ich leider auch gegangen. Das wäre das Ende von Saltatio gewesen. Ähnlich krass, gab es keine Situation mehr.

In der jüngeren Vergangenheit gab es zwar auch Momente wo ich merkte, dass ich überlastet bin, so gestresst und voll, dass ich das nicht mehr kann. Allerdings habe ich nur ein paar Dinge geändert und dann ging das schon. Es stand aber nicht ein einziges mal mehr zur Debatte, Saltatio ganz sein zu lassen. In der Not kommt man zwar relativ schnell zu solchen Gedanken, aber man kommt auch sehr schnell wieder zurück und entscheidet sich glücklicherweise dagegen.

 

DasRockt!: Auf der CD befinden sich drei neue Lieder. Was kannst du uns denn über die erzählen?

 

Lasterbalk der Lästerliche: Das Stück “Weiß wie Schnee” ist schon ein paar Jahre alt und hatte es nur leider nicht auf die letzten Platten geschafft, obwohl wir den Song gerne veröffentlicht hätten. Der Aufhänger für den Text war, dass mir bei Recherchen auffiel, dass die gute alte Frau Holle viele Gemeinsamkeiten mit eher weniger guten Gestalten aus der alten Mythologie hat und darum geht es in dem Stück. „Fatum“ ist der dritte neue Song. Das ist ein Experiment, welcher so denken wir, auf einer solchen Platte durchaus gut aufgehoben ist. Wir erzählen die Geschichte in diesem Song rückwärts. Es geht um einen Mann der Selbstmord begeht. Pro Halbstrophe springen wir da eine Familiengeneration zurück, um die Wirkung der Familie aufzuzeigen.

 

 

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Dani

Redakteur - Verantwortlich für die Bereiche Rock, Metal, Metalcore, Gothic sowie Fotograbenrockerin zum pixeligen Einfrieren von Konzertmomemten.

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