DasRockt! Magazin

Der Dunkle Parabelritter – Widersacher oder doch nur sachliche Kritik?

Thomas 26. November 2017 Interviews

Bürgerlich heißt er Alexander Prinz, die meisten aber kennen ihn eher unter dem Namen „Der Dunkle Parabelritter“. Mit ca. 100.000 Abonnenten in seinem Youtube – Channel zählt er zu den größten Webvideoproduzenten in der deutschen Metalszene. Bekanntheit erlangte Prinz durch seine Reportagen über Musikfestivals die er thematisch in Szene setzt. Auch als Herausgeber des „Silence Metal Magazin“ verzeichnet er enorme Erfolge. Nicht nur die Liebe zu dem Musikstil die sich in seinen Videos wiederspiegeln, sondern auch kritische Punkte sorgen für Aufmerksamkeit.
In einem seiner Werke betrachtet er die Band Frei.Wild aus seiner Sicht und bekam durch die Fangemeinde mehr als nur einen Nackenschlag in den sozialen Medien. Wir wollten es genauer wissen und baten Den Dunklen Parabelritter zu einem Gespräch um zu erfahren welche Person sich dahinter verbirgt und was ihn dazu veranlasste, sich über diese Band Kritik zu erlauben.

DasRockt!: Hi Alex, danke das du dir Zeit für uns genommen hast. In den sozialen Medien bist du eher als „Der Dunkle Parabelritter“ bekannt. Für diejenigen die dich noch nicht kennen, erzähl und doch was du so treibst und wie es dazu kam.

DDPR: Hallo DasRockt! , die Zeit nehme ich mir gerne!
Mein, ich möchte es nicht „Künstlername“ nennen, gibt ja noch nicht viel Aufschluss darüber, womit ich mich eigentlich so den lieben langen Tag beschäftige. Der entstand auch unabhängig von meiner Idee, im Internet über Musik, vornehmlich Metal, und über Festivals und alles was so drumherum existiert, zu sprechen. Aber wenn du dann vor der Entscheidung stehst, einen Youtube-Kanal zu eröffnen, dann brauchst du ja auch einen Namen. Und lass dir da mal was gescheites einfallen wenn du 17 Jahre alt bist und eigentlich noch gar nicht so richtig weißt, was Youtube eigentlich ist und was du da so machen willst. Als ich mich im Juli 2012 nach einer Trennung dazu entschloss, meine neu gewonnene Freizeit dazu zu nutzen, Videos zu produzieren, dachte ich noch gar nicht darüber nach, mich mit Musik zu befassen. Ich machte erstmal was mit Comedy. Aber mein Humor ist so seltsam- das konnte man einfach keinem antun. Und da ich schon seit ich 11 bin, viel zu tief im Metal drin stecke, kam das dann irgendwann automatisch dazu und wurde von meinen Zuschauern begeistert angenommen.
Mittlerweile bin ich jedes Jahr auf einer ganzen Menge von Festivals unterwegs und berichte von dort, führe Interviews mit Künstlern die mich interessieren und gebe allgemein meine Sicht auf die Dinge ab. Das interessiert scheinbar auch 113.000 Leute. Bin ich selber überrascht!

DasRockt!: Ja man kann schon sagen das du durch deine Interview´s, Berichterstattungen und Kritiken einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hast.
Ist es mittlerweile Berufung oder eher noch als Hobby einzuschätzen?

DDPR: Tatsächlich sind sowohl der Arbeits- und Zeitaufwand, aber auch die Ausgaben (vor allem was das Berichte von Festivals aus angeht) mittlerweile zu groß, um es als reines Hobby zu betrachten. Reine Produktionszeit sind 30 Stunden die Woche und da sind noch nicht die Korrespondenzen, die Ideenfindung, die Planung, die Fahrten etc. mit einberechnet. Dazu kommt, dass man unter der Knute des Algorithmus steht der einen zu einer regelmäßigen Produktion zwingt. Ansonsten wird man keine Reichweite auf Dauer auf Youtube erzielen können.

Das Rockt!: Du hast dich vor noch nicht langer Zeit mit dem Thema Frei.Wild beschäftigt und dabei Zuspruch bekommen aber natürlich bist du auch bei deren Fans angeeckt.
Wer deine Videos genauer betrachtet wird merken, dass du generell gegenüber der Musik von Frei.Wild eine gewisse Toleranz besitzt aber dennoch vor Kritik nicht halt machst.
War es dir bewusst das du dir nicht nur Freunde damit machst?

DDPR: Um ehrlich zu sein, war mir das schon immer völlig egal. Ich bin nicht auf Youtube – oder auf dieser Erde – um mit allen Bff’s zu sein. Ich hab schon immer gesagt, was ich gedacht habe. Klar, das ist in mancherlei Hinsicht ein etwas leichterer Weg, aber er wäre nicht ehrlich. Ich bin tatsächlich auch ein wenig überrascht: Es geht in ihren Texten auch oft um das Wahre – das Ehrliche. Ich bin ehrlich. Und noch viel wichtiger: Ich versuche meinen Zuschauern auch ein paar Hintergründe mitzugeben. Die Fassade des Show/Musik-Business ist schön und glänzend, aber im Endeffekt geht es doch auch hier nur um das Eine. Und das perfide ist, dass man umso mehr verkauft, je offensiver man sich als anti-kommerziell darstellt.
Für mich ist Freiwild einfach nur belanglos, abgedroschen und manipulativ. Sie nutzen eiskalt die Fantreue und Liebe ihrer Fans aus, die sie durch den „Wir sind alle eine Familie“ – Pathos überhaupt erst erzeugt haben. Well played, aber höchst unmoralisch

DasRockt!: Das mag vielleicht sein. Aber finden wir nicht so etwas in der ganzen Musikwelt wieder? Nehmen wir als Beispiel Metallica zur Hand, auch dort wird von der Metallica Family gesprochen bzw. kann man sich in deren Fanclub als „Fifth Member“ registrieren lassen. Abgesehen von dem Merchandise welches auf diese Art und Weise veräußert wird…ist das dann aus deiner Sicht auch abgedroschen? Niemand redet bei Metallica von Kommerz, vielleicht weil es eben einfach Metallica ist?

DDPR: Niemand redet bei Metallica von Kommerz? Das kenne ich aber ganz anders!
Mit „abgedroschen“ bezog ich mich gerade auch eher auf die Texte.
Prinzipiell muss man einfach sagen, dass Metallica nicht darüber singen, wie eng sie doch mit ihren Fans befreundet sind oder dass sie einfach tumbe Kalendersprüche runterrocken.
Frei.Wild befleißigen sich einer sehr einfachen Masche: Das ist wie auf Facebook – alle lästern über Made My Day oder ähnliche Seiten auf denen ausschließlich die nachvollziehbarsten und basalsten Aussagen über das Leben getroffen werden, die jeder abnicken könnte. Und trotzdessen, dass jeder darüber zu lästern scheint erfreuen sich solche Seiten riesiger Beliebtheit. Jeder mag Freundschaft und Liebe und Treue – das ist nunmal so. Das ist musikalischer Clickbait. Mir ist diese Masche aber einfach zu billig

DasRockt!: Siehst du die komplette Deutschrockszene aus diesem Blickwinkel?

DDPR: Nein, das natürlich nicht! Und ich will mich hier auch nicht mit meinem Lehrer-Zeigefinger hinstellen: „Hört lieber Schostakowitschs Jazz-Album“ – auch wenn das wirklich grandios ist *lach*. Klar darf es in Texten auch mal um diese „Clickbait“ Themen gehen – ich weiß ja, dass es das braucht um auch mal Leute ranzukriegen, um dann auf tiefergehende Themen hinzuweisen. Aber dieser Tiefgang ist bei FW immer nur: „Wir gegen diese Idioten.(Wir sind nämlich die die Recht haben, ehrlich)“ – und das sowohl sozial als auch politisch.
Irgendwie schaffen es Bands wie Betontod, Dritte Wahl, Hämatom oder Die Bonkers einfach ehrliche Musik zu machen ohne sich als die „Opfer einer Resozialisierungspolitik“ hinstellen zu müssen. So ein bisschen anders sein als die Anderen – das ist ja auch ein Grund, warum wir uns im auch im Metal zusammenfinden. Hier werden wir von den Anderen verstanden. Wenn man dieses Gefühl aber kommerziell so ausschlachtet wie Freiwild und dann auch noch den rechten Kleinbürger mit Doppeldeutigkeit einfangen kann (auch wenn man sich natürlich davon distanziert), dann finde ich das einfach offensiv schamlos. Aber auch beeindruckend wie einfach es sein sein kann.
Was natürlich nicht heißt, dass ich die Amigos nicht genau so schamlos finde. Aber selbst die scheinen ja richtig abzusahnen. Respekt dafür, aber warum soll ich das dann auch noch unterstützen? Da setze ich doch lieber meine Reichweite dazu ein um zu entlarven.

DasRockt!: Nun das Thema rechts ist mittlerweile mehr als ausgelutscht und man kann es ehrlich gesagt auch nicht mehr hören. Aber dennoch hast du vor ein paar Tagen selbst erleben dürfen wie schnell man angeprangert bzw. einen Stempel auferlegt bekommt. Jeder der normalen Menschenverstand besitzt, weiß genau, dass weder du noch Frei.Wild rechts ist oder sind, aber trotzdem aufgrund irgendwelcher Zufälle oder bestimmter Ereignisse darauf denunziert werden. Kannst du dich aufgrund dieses Vorfalles damit identifizieren das Bands wie Frei.Wild oder auch Andere sich so dagegen wehren?

DDPR: Schade, dass du jetzt nur auf den Teil meiner Aussage bezüglich Politik eingegangen bist – das ist mir nämlich im Bezug auf Frei.Wild Diskussionen auch langsam zu schal.
Aber richtig, das hat mich tatsächlich an ähnliche Fälle erinnert, die es in der Vergangenheit gab. Der Unterschied ist natürlich: Hat man in der Vergangenheit selbst gewisse Symbole oä. getragen oder Aussagen gemacht oder war man in politischen Gruppen welcher Couleur auch immer aktiv, oder wird gezielt etwas konstruiert um dich zu denunzieren. Beim ersten Fall muss man damit rechnen, dass das zurückkommt – vor allem wenn du bekannt wirst. Ganz besonders schlimm ist „Kontaktschuld“ – wie es jetzt in meinem Fall war. Jemand anderes hatte einen Patch einer NSBM Band auf der Kutte und in der offiziellen Lesart war ich dann Rechts-Sympathisant. Du musst dich aus heiterem Himmel für etwas rechtfertigen, das komplett konstruiert wurde. Im Grunde bleibt einem meiner Meinung nach nicht s übrig, als so schnell wie möglich klar Stellung zu beziehen. Dabei sitzt man aber in einer Zwickmühle: Sagt man nichts, dann denken alle man würde es nur abnicken. Wenn man aber ein Statement macht, dann gibt man der ganzen Sache wieder neues Feuer und weist vielleicht auch Leute darauf hin, die damit gar nichts zu tun haben! Außerdem kann man dann auch wieder angefeindet werden wegen vermeintlicher Scheinheiligkeit. Und manch einer sagt: Wenn man sich einsetzt/rechtfertigen muss – dann muss da ja eigentlich was dran sein!
Übrigens habe ich erfahren, dass diese Attacken aus beiden Lagern kommen können – ich spreche mich gegen Extremismus in jeglicher Form aus – ob von rechter oder linker Seite. Das schlimme ist: Ein bisschen Dreck bleibt immer an dir Kleben – egal wie ungerechtfertigt die Vorwürfe sind

DasRockt!: Selbst wenn man in der Vergangenheit nicht alles richtig gemacht hat, heißt es nicht das es jetzt immer noch so ist. Anfeindungen der Band gegenüber gibt es schon lange, Aussprachen seitens der Band wurden den Widersachern angeboten aber in der Regel nicht angenommen. Wie ist es mit dir? Würdest du, wenn du die Möglichkeit hättest mit der Band zu sprechen, es auch tun?

DDPR: Ja, ich denke das würde ich. Ich sehe mich allerdings nicht als „Widersacher“ – das impliziert irgendwie, dass ich den Jungs persönlich was Böses will. Meine Kritik beruht rein auf ihrem Wirken und ist Ausdruck meiner Erkenntnisse zu der Band. Und ich mache immer wieder deutlich, dass so eine Aussage stets subjektiv gefärbt ist. Deswegen versuche ich ja zu begründen, wie es dazu kommt. Mal abgesehen davon schätze ich meine Reichweite nicht als groß genug ein um ein wirklicher „Widersacher“ sein zu können.

DasRockt!: Als Widersacher wirst du auch nicht gesehen, sachliche Kritik ist erlaubt. Doch hast du auch Toleranz bewiesen indem du in einem deiner Videos einen Brief von einem Fan vorgelesen hast. Es geht darum das er dir sagen möchte das ihm die Musik durch schwere Zeiten geholfen hat. Du hast dem Ganzen nicht widersprochen und ihm Mut zugesprochen. Das fanden wir beeindruckend und würden zum Schluss gerne wissen ob es zu deiner Grundeinstellung gehört? (auch wenn die Musik nicht deine Sache ist).

DDPR: Im Grunde ist das doch die Aufgabe von Musik: Sie verleiht Momenten, Gefühlen und Gedanken Tiefe – sie bewegt und sie kann auch helfen. Und wenn man Jemandem mit seiner Musik helfen kann – dann ist das das Größte, was man als Musiker – als Band -erreichen kann. Und deswegen habe ich den Brief auch verlesen. Wir sollten innerhalb der kritischen Diskussionen, die wir über Kunst und vor allem Musik führen nicht vergessen, dass es Menschen gibt, für die sie alles bedeuten kann. Nicht wegen eines Reimschemas, einer Taktfrequenz oder eines besonders gefeilten Satzes, sondern weil vielleicht in einer schweren Stunde genau das Richtige war, man damit eine wertvolle Erinnerung verbindet, es die Musik der eigenen Rebellion in der Jugend war – einfach, weil sie Emotionen entfacht hat. Und wenn Musik eine solche Bedeutung für einen Menschen hat, dann finde ich das gut.

DasRockt!: Danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.
DDPR: Immer gern und vielen Dank.
(TK)

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Stütze der Nation und Go Go Tänzer bei Let´s Dance! Ansonsten ganz verträglich!

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