DasRockt! Magazin

Unantastbar – 10 Jahre Liebe und Hass (uncut)

Dani 4. Juni 2014 Interviews

Rein vom Papier her dürfte es ein Uanantastbar Jahr werden, dieses 2014. Mit einem neuen Silberling in der Tasche geht es ins zehnte Jahr Unantastbar. Was das für die Jungs bedeutet und was für sie “Fluch und Segen” ist, darüber haben wir im Vorfeld mit Drummer Schkal und Sänger Joggl gesprochen. Auch warum dieser genau vier Jahre nicht schlafen konnte.

DasROCKT!: Zwischen „Gegen die Stille“ und „Fluch & Segen“ liegen lediglich nur wenige Monate. Erfahrungsgemäß braucht es eine Weile, bis so ein Album entsteht. War „Fluch & Segen“ ein Schnellschuss oder seid ihr einfach gerade so verdammt kreativ?

Schkal: Ein Schnellschuss war es auf gar keinen Fall. Wir sind schnell nach der „Gegen die Stille“ im Proberaum, haben die Songs für die Live-Shows geprobt und schnell festgestellt, dass wir eine Band sind, die nicht untätig sein kann. Deshalb haben wir ziemlich schnell wieder angefangen an Songs zu arbeiten. Besonders Joggl und Heiss haben zurzeit eine sehr kreative Phase. Und das Bandjubiläum mit einer neuen CD zu feiern bietet sich natürlich sehr an. Zusätzlich hatten wir auch noch ein bisschen Material, ein paar Ideen von der „Gegen die Stille“ Platte über. So mussten wir nicht bei Null anfangen. Wir haben uns dann einen Studiotermin gesetzt, damit wir auch ein Ziel haben. Denn wenn man kein Ziel hat, macht man halt oft auch nichts.
DasROCKT!: Wie sammelt ihr die Ideen für die Lieder?

Joggl: Wir sammeln sie nicht, sie kommen uns entgegen. Das sind Sachen vom Leben, die uns wichtig sind, die ehrlich sind. Sachen, die uns auch passiert sind.

Schkal: Es ist nicht so, dass wir verzweifelt nach einem Thema suchen. Es sind einfach Sachen, die einen selber bewegen, Biografisches halt.

 

DasROCKT!: Hattet ihr wegen eurem 10jährigen Bandjubiläum besonderen Druck etwas Neues zu erschaffen?

Joggl: Wir wollten auf jeden Fall dieses Jahr Gas geben. Gerade deshalb, weil es ja unser 10jähriges ist. Ich finde, dass das Album passt wie die Faust aufs Auge zu unseren 10 Jahren. Wir sind sehr zufrieden.

Schkal: Druck im negativen Sinne bestimmt nicht. Sondern eher positiv. Es bietet sich an was zu machen. Einmal das Album und später dann – was uns auch besonders freut – das Jubiläumskonzert, welches wir gerade in Planung haben. Im November in Innsbruck, in Nordtirol. Da werden auch wieder unser Freunde von den „The Headlines“ aus Schweden mit dabei sein. Das wird sicher eine richtig geile Party werden. Nordtirol bietet sich halt deswegen an, weil wir zum einen schon in der Nähe unserer Heimat feiern wollen, aber auch unsere Fans aus Deutschland sollen uns gut erreichen können. Innsbruck ist da eine gute Wahl.

 

DasROCKT!: Könnt ihr dazu schon etwas preisgeben?

Schkal: Wir wollen kein Festival draus machen, weil es von der Organisation eher schwierig ist. Ein kompaktes Jubiläumskonzert, was jetzt nicht über 2 Tage abläuft oder nachmittags um 14 Uhr losgeht und man dann am Abend, wenn wir auf die Bühne gehen, schon betrunken ist oder so. So waren unsere Überlegungen. Es ist noch ein bisschen Zeit und wir schauen einfach, was uns bis dahin noch einfällt. Stand heute ist, dass wir insgesamt vier Bands an dem Abend sind.

Joggl: Genau. Vielleicht nehmen wir noch ein-zwei lokale Bands dazu und natürlich noch eine Überraschung.

 

DasROCKT!: Die ihr vorher nicht verraten werdet?

Joggl: Die wir vorher schon noch verraten werden, aber jetzt noch nicht.

 

DasROCKT!: Was ist Fluch und was ist Segen, wenn ihr auf eure Bandgeschichte blickt?

Joggl: Die ersten Jahre waren sicherlich mehr Fluch als Segen. Gerade die Schlafsituation teilweise. Das war eher grenzwertig. Das würden wir heute wohl nicht mehr so machen. Die stundenlangen Autofahrten, die wir haben, sind vielleicht manchmal auch mehr Fluch, aber wenn man dann die Leute sieht, die sich wohl fühlen auf unseren Konzerten. Oder wenn man hört, dass ein Song jemanden persönlich über eine schwere Zeit geholfen hat und das Funkeln in den Augen sieht, dann weiß man, dass man alles richtig gemacht hat. Das ist der Segen, das Größte einfach so etwas zurück zu bekommen. Wirklich.

Schkal: Wenn man auf der Bühne steht und sieht, wie die Leute abgehen, die Augen funkeln sieht, dann ist das ein sehr, sehr geiles Gefühl. Wenn Joggl jetzt sagt, dass am Anfang gerade sehr viel Fluch war, dann stimmt das schon, aber es war auch eine geile Zeit damals. Das muss man schon sagen. Ich denke, dass jede Band klein anfängt. Das gehört dazu. Manche Strapazen waren wirklich schrecklich. Wo wir geschlafen haben das war schon sehr grenzwertig (lacht)

Joggl: Ich muss hinzufügen – ich habe nie geschlafen. Die ersten vier Jahre überhaupt nicht.

 

DasROCKT!: War dies auch ein Weg, den ihr gehen musstet?

Schkal: Ich denke schon. Das macht einem zu dem, der man jetzt ist. Dann weiß man auch, woher man kommt. Ich finde es schade, dass oft Bands von ganz unten auf einmal hoch gepusht werden, innerhalb von ein paar Monaten. Wie man das halt im Fernsehen oft verfolgen kann. Stars und Sternchen. Die fallen aber auch recht schnell wieder runter. Sie wissen das einfach weniger zu schätzen, weil sie sich das nicht selber erarbeitet haben. Es ist schon gut, wenn der Weg unter anfängt und dann so langsam bergauf geht. Das ist sicher für eine Band im Gesamten nicht falsch. Dankbarer auch auf jeden Fall. Gerade Bands aus unserem Genre sind bodenständiger.

 

DasROCKT!: Jetzt aber mal zum neuem Album. „Gegen die Stille“ empfinde ich persönlich als melodiöser. „Fluch & Segen“ geht eher wieder etwas zurück zum Album „Schuldig“. Dreckiger und aggressiver. Ist das ein Schritt zurück oder spiegelt es doch mehr euren Stil wider?

Joggl: Es ist definitiv das beste Album was wir bisher gemacht haben. Was auch irgendwie jede Band sicher so sagt. Das aktuelle Album ist wohl immer das beste Album. Es ist von der Musik und den Texten her sehr ausgearbeitet und das mit Abstand stärkste Unantastbar Album.

Schkal: Wenn du sagst, dass wir wieder zurück zu „Schuldig“ gehen, muss ich sagen, dass wir schon an einem Zeitpunkt sind, wo wir unseren Stil gefunden haben. Das dieser Stil auch ein bisschen dreckiger und härter ist stimmt. Wenn das so rüberkommt, dass das wieder zurück zu „Schuldig“ geht, dann ist das wohl so, aber als Rückschritt würde ich das jetzt nicht bezeichnen.

Joggl: Wir als Band probieren musikalisch immer sehr viel aus.
DasROCKT!: Bevor ich mir jetzt ein paar Lieder heraus picke noch etwas Allgemeineres. Musikalisch klingt ihr weiter frisch und auch neu. Die Texte hingegen sind doch eher altbewährt oder auch vertraut. Sind diese Themen einfach so präsent bei euch?

Joggl: Das sind schon Themen, die uns sehr beschäftigen, sonst würden wir darüber nicht schreiben. Wir machen nicht einfach Songs, damit wir das Album vollkriegen. Das sind schon Themen, die uns bewegen, die uns am Herz liegen.

Schkal: Wir sind keine Band, die mit Zettel und Stift im Proberaum sitzt und sich überlegt, worüber man schreiben kann.

Joggl: Es ist auch gut, dass nicht nur ich die Songs schreibe, sondern auch der Heiss. Das macht uns auch ein Stück weit vielseitiger, weil nicht jeder die gleichen Gedanken, Ideen oder Wünsche hat.

 

DasRockt!: „Aus dem Nebel“ kann man irgendwie als Brücke zwischen dem Damals und dem Jetzt sehen. Habt ihr ihn deshalb an den Anfang gesetzt?

Schkal: Wir haben das als Opener gewählt, weil der nach unserer Meinung total rein knallt. Das ist eine Kernaussage, die wir als Band dort treffen und die uns als Band sehr belastet. Joggl’s Vergangenheit, wo wir immer wieder drauf angesprochen werden. (Joggl: ich hab den Song gar nicht geschrieben). Ein Statement halt zu dem ganzen Thema.

 

DasRockt!: Nervt es euch sehr ab, darauf immer wieder angesprochen zu werden?

Joggl: Ich habe damit überhaupt gar kein Problem, solange die Leute überhaupt was fragen. Viele schreiben einfach irgendetwas, ohne vorher zu fragen und das ist Scheiße. Wenn sie vorher fragen würden, würde ich oder wir als Band uns auch dazu äußern und dann würde die Sache schon ganz anders aussehen. Es ist einfach nicht so, wie die Leute es teilweise schreiben. Meine Vergangenheit kennen, aber nicht mich kennen, so wie ich heute bin, das stört. Aber ich habe kein Problem damit Statements dazu abzugeben.
DasRockt!: Ihr werdet da ja auch oft drauf reduziert.

Schkal: Das ist natürlich sehr schade. Wir reißen uns alle für die Band den Arsch auf und es ist schade, wenn da irgendein Arschloch daherkommt, irgendein blödes „Nazi-Totschlag-Argument wie „einmal Nazi immer Nazi“ bringt und jeder, der den Joggl ein bisschen persönlich kennt, der weiß, dass das total blöder Schwachsinn ist. Wenn du dir auf der einen Seite total den Arsch aufreißt, versuchst etwas auf die Beine zu stellen, Freude und Spaß daran hast, auch viel Arbeit reinsteckst und irgendwer aus purem Neid oder so was, dir das kaputt zu machen versucht. Auch aus Unwissenheit heraus. Das ist echt schade.

 

DasROCKT!: Laut Joggl gehören Balladen auf ein Album – wie Cola zum Whisky. Wieso kommt eigentlich kein Rockalbum ohne eine Schnulze aus?

Joggl: Weil man nicht jedes Thema mit schnellen Songs schreiben kann. Wenn ich das Gefühl habe das ist ein bewegendes Thema, dann machen wir eine Ballade draus. Text und Musik müssen halt zusammen passen. Wenn man schreibt, bekommt man auch direkt ein Gefühl dafür, wie der Song klingen muss. Das kann man irgendwie nicht erklären.

Schkal: Es gibt auch viele Leute, die sagen, dass sie es gut finden, dass wir uns das trauen und auch anders klingen können.

Joggl: Genau. Es ist für mich auch angenehmer mal ruhigere Töne anzusingen als immer nur herumzuschreien wie ein Wahnsinniger (lacht).

 

DasROCKT!: Thematisch hätte „Ich habe gelebt“ auch als Ballade durchgehen können. Der Song fängt erst eher ruhig an. Durch die positive Spielweise kippt der Song jedoch sehr. War das ein gewolltes Mittel um die Aussage hinter dem Song hervorzuheben?

Schkal: Natürlich war das gewollt. (lacht) Nein, das hast du gut erkannt. Wir sind jetzt alles nicht die Profimusiker, wir probieren halt einiges aus. Spielen mit den Gefühlen im Song, aber wir gehen jetzt nicht an einen Song ran und wissen direkt, wie er klingen muss oder dass er ab einem gewissen Zeitpunkt kippen muss. Das eher nicht.

Joggl: Wir haben mit Alex Lysjakow einen super Produzenten, der uns spielerisch und auch textlich ein bisschen weiterhilft. Was auch die Arbeit eines jeden Produzenten ist, der dir Tipps gibt und dir auch mal sagt, wie etwas eventuell besser klingen könnte. Da kommt man dann schnell auf einen gemeinsamen Nenner.

 

DasROCKT!: Wie geht ihr eigentlich mit der Kritik um, dass sich Bands von Rookies & Kings immer gleich anhören?

Schkal: Die hören sich nicht an wie Rookies & Kings, sondern die hören sich nach Alex an. Er hat halt seinen Stil. Was wir aber sagen können, um dieses Argument schnell zu widerlegen, ist, dass wir „Rebellion“ schon bei ihm aufgenommen haben und da waren wir nicht bei dem Label.

Joggl: Ich denke, dass wir nicht alle gleich klingen. Wir haben unseren eigenen Stil. Ich würde jetzt nicht sagen, dass wir uns wie die Wilden Jungs oder so anhören. Dass wir musikalisch ähnlich klingen, damit habe ich kein Problem. Das ist ein fettes Album geworden und das ist die Hauptsache.
DasROCKT!: Ihr singt sehr oft über die Regierung oder auch Krieg. Versucht wach zu rütteln. Wie wichtig ist es für euch einen Weg aufzuzeigen, auf Missstände aufmerksam zu machen?

Schkal: Das ist für eine Band, wie wir sie sind schon wichtig. Wir werden oft gefragt, was für einen Stil wir singen und wir haben irgendwann man definiert, dass Unantastbar Punkrock ist. Viele sagen Punkrock klingt doch irgendwie nach Deutschrock oder so. Punkrock ist für uns schon etwas mit Gegenwehr, mit sich aufbäumen oder auf Missstände aufmerksam zu machen. Deshalb wollen wir nicht immer nur über Saufen und Spaß haben singen.

Joggl: Ich denke, dass auch irgendwann einmal alles gesagt ist. Du kannst nicht 20 Lieder übers Saufen allein machen. Wir wollen uns da auch nicht zu oft wiederholen. Gut, dieses Mal geht es ja auch gar nicht übers Trinken. Freundschaft, Liebe und Sachen, die uns bewegen.

 

DasROCKT!: „Kein Ende in Sicht“ handelt über Freundschaft – wie wichtig ist dies im Hinblick auf den Albumtitel?

Joggl: Ich habe den Song geschrieben. In letzter Zeit habe ich einige Beziehungen zum Beispiel hinter mir, die nicht so gut verlaufen sind. Gescheitert sind, egal weshalb auch immer. Es ist aber auch trotzdem wichtig, dass man den Leuten oder auch Frauen danach noch in die Augen schauen kann. Dass man trotzdem noch eine Freundschaft haben kann und sich nicht aus dem Weg geht. Das wollte ich eigentlich mit dem Song ausdrücken. Das ist mir wichtig.
DasROCKT!: Wie aggressiv geht ihr an die Setliste für die Tour ran – viele neue Stücke oder eher dezenter?

Schkal: Wir haben die Setliste gerade vor ein paar Tagen gemacht. Ich glaube, wir haben sechs / sieben neue Songs dabei. Sicher ist das noch nicht, aber sechs neue Songs werden es sicher werden. Das braucht schon alles so 1-2 Stunden, bis das steht. Aber wenn du ein neues Album hast, willst du die Lieder auch live präsentieren. Du bist stolz drauf und willst sehen, wie die Leute drauf reagieren. Deshalb finden wir die Aufteilung, so wie wir sie jetzt haben, sehr gelungen. Also sechs neue Songs von ungefähr 25 Stücken, das sollte passen.

Joggl: Man sieht in den Proben schon, ob ein Song live funktionieren wird. Da kriegt man beim ersten Mal spielen schon ein Gefühl für, ob ein Song live ankommt oder eben scheiße rüber kommt. Nicht alle Songs funktionieren live. Das muss man schon unterscheiden.

 

DasROCKT!: Saturday’s Hero gehen mit euch auf Tour. Die Schweden scheinen euch irgendwie zu liegen. Oder?

Schkal: Ja, Schweden liegt uns sehr.

Joggl: Ich bin immer wieder aufs Neue erstaunt, wenn ich meine Freunde von „The Headlines“ sehe zum Beispiel oder auch das Nebenprojekt, wo Kerry und Jake mitspielen, das sind alles Topmusiker. Da können wir noch viel lernen und viel abschauen. Es ist immer wieder eine Freude, wenn man mit solchen Leuten zusammen spielen kann. Es sind natürlich auch alles superliebe Menschen. Wir sind uns sofort sympathisch gewesen. Da liegt es nahe, dass man zusammen auf Tour geht.

Schkal: Grundsätzlich sind wir auf solche Bands gekommen, weil wir jemanden dabei haben wollten, der nicht ständig irgendwo in Deutschland unterwegs ist. Einfach auch mal etwas anderes ausprobieren.

DasRockt!: Ich war gerade auf dem Groezrock in Belgien. Da sprach ich mit einer schwedischen Punkband. Auf die Frage wo die Unterschiede zwischen deutschem und schwedischen Punk liegt antwortete die Band, dass in Deutschland der Punk eher „lalala“ wie Fußball wäre. Wie siehst du das?

Joggl: Die Schweden sind die besseren Musiker – das hab ich doch gesagt… (lacht) Vielleicht sollte Kerry dazu was sagen, die sitzt gerade hier.

Kerry: Vielleicht sind die schwedischen Punkbands einfach politischer.

Schkal: Du hast in Deutschland auch einfach ein großes Spektrum an Bands und was für jeden Punk ist, da gehen die Meinungen sicher auseinander.

DasRockt!: Ich danke euch ganz herzlich und wünsche euch eine schöne Zeit mit „Fluch & Segen“.

Schkal: Wir danken euch. Was wir noch sagen möchten, wir freuen uns darauf, dass das Album endlich raus kommt. Wir sind unheimlich gespannt darauf, wie es bei den Leuten ankommt, auch auf unserer „Fluch & Segen“ Headliner-Tour. Wir freuen uns auch euch – das wird unser Jahr.

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Dani

Redakteur - Verantwortlich für die Bereiche Rock, Metal, Metalcore, Gothic sowie Fotograbenrockerin zum pixeligen Einfrieren von Konzertmomemten.

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