DasRockt! Magazin

Serum 114 – Die Zukunft mein Freund

Patrick Schneiderwind 19. August 2016 Interviews
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Wir haben es doch tatsächlich geschafft den Nachtmenschen Esche, Frontsau bei Serum 114, zu einer uns eher angenehmen Tageszeit vor das Mikrofon zu zerren, um mit ihm über das neue Album „Die Nacht mein Freund“ zu sprechen, wann genau er seine prägende Band „Social Distortion“ zum ersten Mal gehört hat und über die heutige Situation der Band sowie der Welt. Mächtig viel für diese unchristliche Uhrzeit…

 

DasROCKT!: Gerade noch auf Rockavaria und Rock in Vienna, erschien jetzt euer erstes Video zum kommenden Album „Die Nacht mein Freund“. Ganz schön was los im Hause Serum114…

 

Esche: Das stimmt, wir rennen gerade von Termin zu Termin und arbeiten uns immer weiter auf den Release zu und dann kommen da noch Interviewanfragen von so komischen Typen wie dir! (lacht)

 

DasROCKT!: Wenn du mir so kommst, wie war das mit deinem einen Hit? Auf gute Freunde hieß der oder?

 

Esche: (lacht) Ja, den hab ich glaub ich mal im Suff geschrieben und nie veröffentlicht, aber jetzt spielt den eine andere Band und freut sich über Gema Tantiemen und so…

 

DasROCKT!: Spaß bei Seite, warum ist eigentlich ein Panther auf dem Cover zu sehen? Ich dachte, du bist Batman Fan, da wäre doch die Fledermaus fast cooler gewesen!

 

Esche: Jetzt wo du es sagst… Naja, wir hatten sogar eine Eule im Gespräch. (lacht) Aber wir fanden dann, dass ein Panther, ein kraftvolles Tier, das majestätisch und ohne echte Feinde durch die Nacht streift und auf seine Beute lauert besser zum Thema passt. Außerdem hat der Panther so was „untergrundrebellisches“ und sieht viel gefährlicher aus. Vor einer Eule hat doch keiner Angst…

 

DasROCKT!: Ihr lauert also auf den Fan und überrascht ihn mit guter Musik?

 

Esche: Interessante Sichtweise… So ungefähr ist der Plan.

 

DasROCKT!: Das Booklet könnte man ja sagen, hast du dieses Mal allein zu verantworten. Denn neben deinen Texten enthält es auch Fotos, die du selbst gemacht hast. Wie wichtig ist denn die Fotografie in deinem Leben?

 

Esche: Im Grunde hält sie mich am Leben. (Lacht) Rein von der Musik kann ich bisher nicht meinen Kühlschrank füllen und somit bin ich weiterhin auch beruflich als Fotograf unterwegs. Würde ich dann noch den PlayStation Controller öfters weglegen und mehr Foto-Jobs annehmen, wäre es sogar ein sehr gutes Leben. (lacht)

 

DasROCKT!: Mit „Gute Nacht Freunde“ gibt es mal wieder einen Song, der perfekt zum Ende eines Konzertes passt und einfach live gespielt werden muss oder was sagst du?

 

Esche: Naja, wenn es nach mir ginge, würden wir alle neuen Songs live spielen, (lacht) aber es geht leider nicht immer nach mir. Aber Spaß bei Seite, es gibt öfters Songs, bei denen man meint, dass sie auf jeden Fall live funktionieren und dann ist das leider nicht der Fall. Zum Glück gibt es natürlich auch die andere Seite, dass dann Tracks live zu Krachern werden, die man so nicht auf dem Schirm hatte.

 

DasROCKT!: Passend zum aktuellen Video „Wilde Zeit“, was war denn das wildeste, was du je gemacht hast?

 

Esche: Da gibt’s ne kleine Story aus meiner Jugend. Und zwar war ich noch Teenager und wie es öfters mal vorkommt, von zu Hause abgehauen. Unter anderem mein alter Schuldirektor Weidt und natürlich ein gebrochenes Herz trugen schuld daran, dass ich mich verpisst habe. Nach gut einer Woche traf ich dann einen Punk auf Durchreise, welcher mich mit seinem zusammengeschnorrten Wochenendticket bis nach Konstanz mitnahm. „Gruß an RAF, wo immer du jetzt bist“. Meine kleine Reise endete jedoch nicht dort, sondern zog sich dank weiterer Straßenpunks bis hin in die Schweiz. Auf dem Weg dorthin hörte ich im Auto übrigens zum ersten mal „Social Distortion“ und wie wir alle inzwischen wissen, sollte diese Band mich ziemlich prägen.

 

DasROCKT!: Du erwähntest gerade, wer dich früher inspiriert hat, wer ist es denn heute?

 

Esche: Komischerweise eine ganz andere Richtung und eher keine Mukke was unsere Fans vielleicht hören würden. Privat läuft aber tatsächlich zuletzt viel von „Marsimoto“, auch wenn es mir/uns vielleicht nicht ganz so gut tut… Oder eher unseren Lungen. (lacht)

DasROCKT!: Als Punkrockband auf Wacken ein Album zu Releasen, ist auch eher ungewöhnlich, wie kam es dazu?

 

Esche: Matsch, Pogo und Dosenbier… ich finde Wacken passt ganz gut zu uns.

 

DasROCKT!: Junge dein Label, Rookies & Kings und Napalm viele Namen und keiner blickt mehr durch, klär uns mal auf.

 

Esche: Das ist recht einfach, Junge dein Label ist unser Label, was weiterhin in unserer Hand bleibt und mit Napalm haben wir einen starken Partner hinzugezogen. Von Rookies haben wir uns einvernehmlich getrennt.

 

DasROCKT!: Spekuliert wird natürlich trotzdem, dass es jetzt Beef zwischen euch gibt.

 

Esche: Das ist völliger Blödsinn, wir sind sehr dankbar, was Rookies für uns getan hat und sind im Guten auseinander gegangen. Es gab kein böses Blut.

Nichtsdestotrotz muss es auch für uns weitergehen, und wir sind der Meinung, dass wir ab jetzt unseren eigenen Weg gehen müssen.

 

DasROCKT!: Bedeutet das weg vom Deutschrock?

 

Esche: Keineswegs, wir werden sicher auch in Zukunft wieder auf ausgewählten Festivals spielen. Nur muss man eben aufpassen, wo man spielt und mit wem, sonst hat man in der schönen neuen Welt schnell Probleme.

 

DasROCKT!: Wie meinst du das jetzt?

 

Esche: Auf einigen der Deutschrockfestivals trifft man immer mal wieder Bands, die von der Öffentlichkeit ganz klar in die rechte Schublade gesteckt werden. Selten zurecht, meistens einfach nur kategorisch. Dadurch müssen wir uns Diskussionen stellen, die eigentlich gar keinen Hintergrund haben. Das was wir machen, nennen wir selbst „Punkrock“. Und damit verbinde ich persönlich mehr die Linke als die Rechte Szene. Trotzdem werden wir von manchen Kritikern völlig haltlos in eine Ecke gedrängt, in der wir nichts verloren haben.

Dabei muss man nur einmal eines unserer Konzerte besuchen und wenn hier alle „Nazis Raus!“ rufen, verstehe ich nicht, wie es sein kann, dass wir und unsere Fans einen Stempel aufgedrückt bekommen, welcher so gar nicht zu uns passt.

 

DasROCKT!: Du siehst euch also eher als linksorientierte Band?

 

Esche: Du willst dieses Fass also aufmachen, ja? Tut mir leid, aber das kann ich nicht in drei Sätzen beantworten. Ob wir eine Linke Band sind? Ja, wahrscheinlich schon.

Zumindest wenn man unseren Standpunkt, unsere Meinung anschaut, die wir vertreten seit es Serum 114 gibt. Ich möchte an der Stelle mal eines ganz klar sagen: Wir sind der Meinung, dass in einem Land wie Deutschland genug Platz für viele Kulturen ist und unsere Gesellschaft von diesem Mix aus vielen Gründen profitiert.

Keine Kultur ist fehlerfrei, weder die Deutsche oder die Muslimische oder alle anderen. Ich glaube, dass man sich nur durch den Austausch und ein vernünftiges Miteinander verbessern kann, das gilt für Alle und in jede Richtung. Der Austausch der Kulturen kann eine Bereicherung für alle sein.

So, und wenn ich das jetzt sage, heißt es bei manchen gleich wieder: „Geh doch zur Antifa.“ So ein Quatsch. Das Problem ist doch, dass in Deutschland alles pauschalisiert wird, weil das so schön einfach ist. Die Wahrheit ist aber leider in den seltensten Fällen so einfach.

Zum Beispiel: Nicht jeder der Deutschrock macht oder hört, ist gleich ein Nationalist. Und wenn ich so was lese wie: „Deutschlandfans, Fahnen runter, denn Patriotismus ist automatisch Ausgrenzung und Diskriminierung“, dann platzt mir auch der Kragen. Es muss doch erlaubt sein, das Land zu mögen in dem man lebt. Patriotismus ist nicht gleich Nationalismus, und ich möchte auch noch ganz klar sagen, dass wir einen gesunden Patriotismus gut finden. Man muss nur eine ganz klare, unmissverständliche Grenze nach rechts außen ziehen. Denn leider stimmt es schon, dass man sich mit einer patriotischen Haltung auch sehr schnell extremere Leute ran zieht, die die Heimatliebe anderer als Trittbrett benutzen.

Solche Leute hatten bei unseren Konzerten noch nie was zu suchen. Aber denen zu sagen: „Denkt doch mal nach. Liebt von mir aus euer Land. Aber seid vor allem erst mal fair und lasst andere Menschen nicht einfach im Mittelmeer verrecken“ bringt doch viel mehr als sich gegenseitig bei ultralinken Konzerten zu versichern, wie schön links alle im Raum sind, das ist doch billig.

Es klingt abgedroschen, aber es ist wahr: Pauschalisierung ist Scheiße. Und zwar in alle Richtungen. Nicht jeder Deutschrocker ist ein Nationalist, sondern die wenigsten. Und nicht jeder Flüchtling will Frauen begrapschen und sich ein feines Leben in Deutschland machen. Ich waage sogar zu behaupten, dass letzteres auf keinen zutrifft, der auf der Flucht ist, sondern dass hier kriminelle Banden am Werk sind, die die aktuelle Situation ausnutzen. Arschlöcher gibt es eben überall. So, was war nochmal die Frage? (lacht)

 

DasROCKT!: Schon gut. Kommen wir zum Schluss nochmal zurück zum neuen Album welches im August erscheint. Die erste Single trägt den gleichen Namen wie die LP „Die Nacht mein Freund!“ Bist du ein Nachtmensch?

 

Esche: Logisch. 80 % unseres Bandlebens findet nachts statt. Das versaut einem manchmal ganz schön den Rhythmus. Der Job ist also definitiv nichts für Frühaufsteher… (lacht)

 

DasROCKT!: (schaut auf die Uhr) Dann haben wir ja Glück dich mal am Tag erwischt zu haben und danke für deine Zeit!

 

Esche: Ich habe zu danken.

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About The Author

Patrick Schneiderwind

Freund des Heftes und Verantwortlich für die Rubrik: DasRockt! Girl. Außerdem Fotograf in allen möglichen Bereichen. Nicht nur auf Konzerten oder Festivals.

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