DasRockt! Magazin

Oomph! – 25 Jahre Sozialismus

Dani 13. August 2015 Interviews

Oomph! feiern Bühnenjubiläum! Grund genug die Erfinder der Neuen Deutschen Härte mal auszuquetschen über unnötige Fan-Boxen-Vielfalt, das neue Album und vieles interessantes mehr.

DasROCKT: 25 Jahre Oomph! – Herzlichen Glückwunsch! Als Band seid ihr den Kinderschuhen entsprungen, habt die Pubertät überlebt und seid nun in einem Alter, in dem man weiß, was man möchte und wohin man will.

Dero / Oomph!: Ich glaube bei uns setzt schon der akute Altersstarrsinn ein. Deswegen sind wir noch zusammen! Nein – ich glaube, wir kennen alle unsere Schwächen und Vorzüge. Wir kommen jetzt in ein Alter wo man nicht mehr alles so „Bierernst“ nimmt, wo man eine gewisse Gelassenheit erlangt und das ist absolut förderlich für ein Bandleben. Zu Dritt kommt man schneller zu Ergebnissen als wenn man zu viert oder sechst wäre. Es würde, denke ich, öfter zu Patt-Situationen kommen, aber wir kommen bei unserer direkten Volksabstimmung gleich zu Ergebnissen!

DasROCKT!: Gibt es rückblickend in 25 Jahren etwas was du anders gemacht hättest?

D: Natürlich, ganz klar! Wenn man zurück blickt, hätte ich ganz viele Sachen anders gemacht. Das ist aber auch logisch, weil ich in der Zwischenzeit einen Entwicklungsprozess hinter mir habe und heute ganz anders die Dinge sehe und beurteile. Das Leben ist eine Momentaufnahme und in diesem Moment beurteile ich ganz viele Dinge so oder so, aber zu der Zeit habe ich sie so bewertet und so gemacht. Es ist schön zu sehen, dass ich mich entwickelt habe und die Sachen heute anders sehe und sie wahrscheinlich anders gemacht hätte. Das muss ja auch so sein! Ich meine wenn ein Musiker zurück blickt und sagt „genau so würde ich das wieder machen!“ ist er ein kleines bisschen stehen geblieben oder ist sehr ignorant. Ich finde es gut, dass man eine Entwicklung bei einer Band erkennen kann, eine deutliche Weiterentwicklung und hoffentlich auch positiv.

Auch so waren wir musikalisch immer experimentierfreudig und  kein Album hört sich an wie das andere. Das hat natürlich die Gefahr, dass du Fans, die du gerade gewonnen hast, direkt wieder verschreckst. Andererseits wissen die Leute, die uns jetzt 25 Jahre treu geblieben sind, was man bekommt. Wir haben uns nie gedacht „Mensch das letzte Album kam bei den Fans so gut an, lass uns das nächste Mal genauso machen!“ Ich meine so machen das die meisten Bands, weil sie genau gemerkt haben, dass der geneigte Musikkonsument, egal in welcher Szene, relativ konservativ ist. Das ist legitim, aber für mich ist das etwas Verrat an der Kunst! Wenn ich gerade humorvoll bin, mach ich eben ein “Augenzwinker-Album”, wenn ich gerade depressiv bin, mach ich eben ein “Melancholie-Album” und wenn ich gerade aggressiv bin, gibt es eben ein “Auf die Fresse-Album” .So muss das meines Erachtens sein. Ansonsten fängst du an die Fans und dich selbst zu belügen und das fände ich schade. 

DasROCKT!: Beim neuen Album weckt ihr sehr viele Emotionen, gerade bei  „Unter diesem Mond“ oder bei „Leis ganz Leis“. Magst du mal zur textlichen sowie zur musikalischen was Geschichte erzählen?

Oomph: Ja das sind natürlich beides Songs, die Balladencharakter haben. Aber durchaus, und das war uns wichtig, etwas Gruselfilmcharakter! Ich denke es ist wichtig auf einem kompletten Album auch ruhige Momente zu haben, damit du den Gegensatz zwischen brachial und sanft hast. Denn das Leben ist so – Das Leben ist nicht nur traurig oder nur aggressiv oder nur lustig. Das ist die Mischung aus allem. Und ja, auf diesem Album hatten wir jetzt nicht mehr großartig das Gefühl, uns wiederholen zu müssen – Augenzwinkernd, ironisch sein zu müssen – deswegen ist das jetzt eine emotionale Schattierung, die wir auf dem Album nicht gefeatured haben aber wenn du so willst sind das, um mal ein bekanntes Buch der Zeit zu zitieren, 14 Shades of Black die wir da kreiert haben. Es war uns wichtig ruhige Momente zu haben und klassische Instrumente wie Klavier, Spieluhr, Streicher sind Zeitlos. Die passen in jede Epoche und das “streichen” hat eine „dunkle“ Romantik, die in diesen beiden Songs inne ist.

DasROCKT!: Mein persönlicher Ohrwurm ist das Lied „Zielscheibe“ Was bedeutet dir dieser Text? Vielleicht auch eine Abrechnung der Band gegenüber den Kritikern?

Oomph: Nein das wäre zu einfach. Nicht nur gegenüber unseren Kritikern! Auch gegenüber allen, die nicht in der Lage sind zwischen den Zeilen zu lesen, die mit einem starken Vorurteil an eine Sache herangehen und die sich schon eine Meinung gebildet haben, bevor sie einer Sache eine Chance gegeben haben. Das ist in vielen Bereichen der Gesellschaft so und es wird auch häufig von Menschen angewandt, die von sich selbst behaupten sehr tolerant zu sein! Wenn sie dann auf die Musik zu sprechen kommen, sie die gleiche intoleranten Gedankenmuster offenbaren wie Menschen, die sie in anderen Bereichen der Gesellschaft kritisieren. Von daher ist es für einen Musiker schon unterhaltsam mit an zu sehen. Aber ich finde es auch gut und wichtig! Unsere Musik hat schon immer polarisiert – Das heißt man hasst uns oder man liebt uns! Dazwischen gibt es meistens nicht ganz so viel. Das ist gut so weil wir nicht Musik für jedermann machen wollen. Das wird dann meistens aufdringlich und widerlich – Das wollen wir einfach nicht.

DasROCKT!: Es gibt ja diesen Trend, dass ganz viele Bands, ganz viele Boxen mit diversen Songs raushauen um nach vorne zu preschen und ihr sagt bewusst „Nein! Das wollen wir nicht. Es gibt ein Album und ihr bekommt in dem Album alle Lieder, die wir haben!“

Oomph: Genau! Das finden wir nur fair weil das ein Editionen-Wahn um seine Chartposition zu pushen ist. Man muss dem Hörer mehr erläutern! Eine Sonderedition – je höher der Preis dieser Sonderedition, weil sie halt noch ein T-Shirt, ein Autogramm oder ein Stück Klopapier enthält, desto höher die Chartrelevanz! Aus diesem Grund machen die meisten Bands diese überteuerten Boxen, weil sie genau wissen, dass sie höher in den Verkaufscharts einsteigen. Natürlich sind das monetäre Aspekte die sagen, wenn jemand 129,99 € für eine solche Sonderedition ausgeben möchte, dann soll er das bitte tun. Ich persönlich finde das fragwürdig und möchte das nicht. Lass die Fans direkt zu Beginn alle Songs bekommen. Jeder bekommt die gleichen 14 Songs – Das gleiche Recht für alle. Es ist eher ein sozialistischer Gedanke!

DasROCKT!: Dann bedanke ich mich erst mal für deine Zeit und die letzten Worte an die Fans und Leser gehen an dich!

Oomph: Ja, erst mal vielen Dank für die jahrelange Treue! Vielen Dank für euer dickes Fell wegen unserer Wandlungsfähigkeit – Danke, dass ihr das alle so mitgemacht habt. Vielleicht weiß es ja der ein oder andere zu schätzen, dass wir eine Band sind, die immer wieder für Überraschungen sorgen kann!

 

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Dani

Redakteur - Verantwortlich für die Bereiche Rock, Metal, Metalcore, Gothic sowie Fotograbenrockerin zum pixeligen Einfrieren von Konzertmomemten.

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