DasRockt! Magazin

In Extremo – Dieses für das!

Dani 19. August 2016 Interviews
In Extremo_2016_1_credit Robert Eikelpoth

DasROCKT!: Specki T.D. (Drummer) erzählte uns beim Interview zum letzten Album, dass das TV-Konsumverhalten von Dr. Pymonte (Schalmei, Harfe u.a.) dafür verantwortlich war, dass der letzte Silberling den Namen „Kunstraub“ trägt. Wie war das beim jetzigen Album?

 

Das Letzte Einhorn: Da sind wir alle mitverantwortlich für. Wie soll ich es am besten sagen? Wir haben angefangen zu arbeiten. Unser Bassist gibt vieles vor. Der ist immer sehr fleißig. Er spielte uns im Mai schon irgendwelche Sachen vor. Ich dachte nur: man, was ist das denn für ein geiler Sack? Und so fängt das dann meistens bei uns an. „Quid Pro Quo“, dieser Name stand schon relativ früh fest. Ein Geben und Nehmen so wie im wahren Leben. Es ist ein Prozess von einem ganzen Jahr.

 

DasROCKT!: Woher nimmt ihr die Inspiration für eure Texte?

 

Das Letzte Einhorn: Ganz einfach, denn sie liegen auf der Straße. So kann man es wirklich bezeichnen. Wir machen ja alles gemeinsam

 

DasROCKT!: Wie viel Disziplin hast du an den Tag bei der Entstehung des Albums gelegt?

 

Das Letzte Einhorn: Viel. Wir sind eigentlich kein fleißiger Haufen muss ich dazusagen. Aber wenn es daran geht, wirklich zu schreiben, sich einen Kopf macht und sich damit auseinandersetzt, dann geht man damit ins Bett und steht morgens damit auch wieder auf. Im Studio ist es ganz schlimm. Wenn man dann wirklich eineinhalb / zwei Monate im Studio ist, dann schläft man höchstens noch so drei bis vier Stunden – maximal fünf Stunden am Tag, weil man so damit beschäftigt ist.

 

DasROCKT!: Ist der kreative Prozess über die Jahre gleich geblieben?

 

Das Letzte Einhorn: Mal so, mal so. Ich würde sagen, dass wir mit diesem Album mehr verschweißt sind als vorher.

 

DasROCKT!: Magst du das mal näher ausführen?

 

Das Letzte Einhorn: Man kennt sich, man lebt zusammen und man ist mit ihnen mehr zusammen als mit den Familien. Wie in einer großen Familie streitet man auch mal. Aber man verträgt sich immer wieder. Irgendwie ein Geben und Nehmen. Wir halten einfach mehr zusammen als eh und je. So würde ich es beschreiben.

 

DasROCKT!: „Quid pro Quo“ ist ein sehr facettenreiches Album geworden…

 

Das Letzte Einhorn: Danke!

 

DasROCKT!: Wie sehr denkt ihr über die Reihenfolge der Tracks nach?

 

Das Letzte Einhorn: Das ist schwer. Sieben Leute haben verschiedene Meinungen und irgendwann macht es dann mal wer und das wird dann abgesegnet. Wir machen uns natürlich logischerweise ziemliche Gedanken darüber. Wir sitzen zusammen und überlegen, was das Beste ist, wie es facettenreich ist. Es sind ja nicht nur die Stücke, die jetzt auf der CD drauf sind, sondern auch noch drei weitere Bonustracks. Wir hatten ja insgesamt ungefähr 25 Stücke aus denen wir wählen mussten. Das muss man ja auch noch mitberechnen.

DasROCKT!: Welche Stücke liegen dir thematisch besonders am Herzen?

 

Das Letzte Einhorn: Also meine Lieblingsstücke sind definitiv „Dacw ‚Nghariad“, das russische Stück, da geht mir einfach das Herz auf und auch „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“, ein Gänsehaut-Stück pur. Auch mit den Kinderstimmer, das passt einfach. Ein zeitloser Text. Der Ausdruck „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ stammt aus dem ersten Weltkrieg und der zweite Refrainteil „ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein“ ist ein katholisches Gebet. Das haben wir praktisch umgedichtet. Den Text hat Die Lutte (Bass) gemacht. Er hat ihn mir gezeigt und ich war begeistert. Ich habe dann einfach ein Musikstück drauf gesungen. Der Song war von Anfang an rund. Der Song macht einfach eine Gänsehaut und ist zeitgemäßer denn je. Guck dir einfach die aktuelle Situation auf der Welt an. Die ganzen Spinner, die da am Drücker sitzen. Fanatische Arschlöcher, fanatischer Glaube. Das sag ich immer dazu. In jeder Richtung, ob das nun Islam oder Christen und wie sie noch alle heißen, das ist für mich alles ein Pack, was Glauben und Menschen ausnutzt, um Profit zu schlagen und schicken dafür 17 / 18jährige Menschen in den Krieg. Die noch von oben bis unten manipuliert sind und freuen sich auch noch dafür. Um letztendlich noch weiter träumen können vom Thron.

 

DasROCKT!: Von dem Lied „Quid Pro Quo“ gibt es zwei Versionen auf dem Album. Welche gefällt dir besser?

 

Das Letzte Einhorn: Ich finde die Rockversion sehr gut, weil das passt zum Text einfach. Die Klavierversion ist schon sehr speziell. Ein bisschen Chanson. Ich bin ein totaler Chanson Fan. Wir haben das schon einmal gemacht und wir hatten wieder Bock drauf. Das ist schon fast Tradition bei uns. Es macht auch einfach sehr viel Spaß. Da kommt der Text auch mehr zum Vorschein. Das war auch ein Grund warum wir das gemacht haben.

 

DasROCKT!: Was ist deine Lieblingszeile aus einem Stück vom „Quid Pro Quo“ Album?

 

Das Letzte Einhorn: „Drogen kosten Geld, Nutten kosten Geld, Suff kostet Geld – ein Narr, wem’s nicht gefällt!“ oder so ähnlich… (lacht) Wir sind ja auch lustige Leute, wir sind keine Politiker und auch keine politische Band und haben uns nach 20 Jahren da mal aus dem Fenster gelehnt. Das haben wir gemacht, weil man da gar nicht mehr drumherum kommt. Es war an der Zeit, dass wir dazu was machen. Da gibt es keine Lieblingszeile. Aber was ich sagen wollte, wir sind keine Band, die mit dem Finger auf etwas zeigt und sagt, wie man es machen soll. Wir schmeißen einfach mal etwas in den Raum was uns nicht passt. Aber wir verlieren unseren Witz dabei nicht. Es ist jetzt nicht unbedingt meine Lieblingszeile, aber dieser Schalk im Nacken passt einfach sehr gut. Man muss nicht immer alles so ernst nehmen.

 

DasROCKT!: Wer gibt bei euch den Takt an, wenn es um die musikalische Untermalung der Texte geht?

 

Das Letzte Einhorn: Wir machen das schon gemeinsam. Dr. Pymonte hat da schon viel dazu beigetragen. Wir sitzen da schon ziemlich lange drüber. Du musst dir vorstellen: ein großer Suppentopf kommt in die Mitte, jeder schmeißt seinen Kram rein, man rührt um und was daraus kommt, ist In Extremo. Es gibt viele Fähigkeiten innerhalb der Band und wir nutzen das schon zu unseren Gunsten aus. Da gibt es keine Hierarchien oder einen Bandtypen, der den Weg vorgibt oder beleidigt ist, wenn etwas nicht angenommen wird. So ticken wir nicht.

 

DasROCKT!: Welcher Song spiegelt für dich am meisten In Extremo wider?

 

Das Letzte Einhorn: Das kann ich ganz einfach sagen! Jeder Song, den wir jemals rausgebracht haben. Du legst eine Platte ein und du hörst beim ersten Ton, dass das In Extremo ist. Wir brauchen nicht nach einem Image zu suchen, denn das hörst du einfach. Das ist bei vielen Bands ganz anders, weil vieles sich sehr gleich anhört. Jeder hat sicher seinen Lieblingssong, aber es gibt auch keinen für den wir uns schämen. Das ist noch nie vorgekommen und das ist auch gut so.

 

DasROCKT!: Ist es für dich eher ein Segen so typisch zu klingen?

 

Das Letzte Einhorn: Absolut. Das haben wir uns hart erarbeitet.

 

DasROCKT!: Du hast gerade gesagt, dass für dich alles In Extremo ist. Ist es dir deshalb so schwer gefallen in den aktuellen Steckbriefen, deine persönlichen Lieblinge – Stücke wie Alben – zu benennen?

 

Das Letzte Einhorn: Auf jeden Fall.

 

DasROCKT!: Wäre das Gegenteil für dich einfacher gewesen?

 

Das Letzte Einhorn: (lacht) Kann sein, ja. Viele sagen mir, dass gewisse Alben für sie das Highlight waren und wir das noch einmal so machen sollten. Warum? Denn wir haben es ja schon gemacht und zwar vor xx Jahren. Wir müssen uns doch auch weiterentwickeln dürfen. Mit diesem Album ist noch mal alles an In Extremo zusammengefasst worden.

 

DasROCKT!: Was würdest du gerne noch mit In Extremo zusammen realisieren?

 

Das Letzte Einhorn: Viel! In Japan, Kanada, Australien spielen. Allgemein sehr lange noch spielen, denn Laune haben wir nach wie vor noch. Ich meine, uns scheint ja auch die Sonne aus der Badewanne. Wir haben 1,5 Mio. Platten verkauft. Das klingt immer etwas arrogant, aber es gibt da einfach keine Konkurrenz. Und auch wenn viele sagen, dass diese oder jene Dudelsack-Truppe eine wäre, dann liegen da noch immer Welten dazwischen, wenn es um verkaufte Platten geht. Wir schüren da auch keinen Neidkram, denn das brauchen wir nicht. Wir sind so gesegnet mit unserer Konstellation und unserem Beruf, dass das für mich keine Arbeit ist. Man kann nur Dankbar sein und weiter geht, noch ganz ganz viele Jahre. Das ist der Punkt und nicht wo man noch hin möchte. Ich habe etwas ausgeholt, aber das ist viel interessanter.

 

DasROCKT!: Hättest du damals bei der Grü….

 

Das Letzte Einhorn: Nein! (lacht schallend) Ach Quatsch, da hat niemand drüber nachgedacht. Natürlich gründet man eine Band, weil man gehört werden möchte. So wie ein Journalist, der schreibt auch eine Zeile und möchte, dass die Welt ihn liest. Wer das Gegenteil behauptet lügt. Wenn ein Musiker zu mir sagt, dass wir berühmt sind und nur Kommerz machen und er lieber Musik im Proberaum macht, das sind für mich dreckige Lügner. Nichts anderes. Es kann mir niemand das Gegenteil erzählen, wenn ich Texte schreibe, möchte ich, dass es so viele Leute wie möglich hören.

 

DasROCKT!: Wann hast du dann realisiert, dass das mit In Extremo so fett werden könnte?

 

Das Letzte Einhorn: Eigentlich schon bei der ersten Show. Wir haben damals in Leipzig 1995 auf einem Mittelalter Markt als Rockband gespielt. Die Veranstalter haben uns damals erlaubt dort als Rockband aufzutreten. In Extremo hat noch nie vor weniger als 70 Leuten gespielt und das war in Pennsylvania irgendwo. Das ist einfach nur Wahnsinn, irre!

 

DasROCKT!: Wie fällt dein persönliches Resümee zu eurem „20 Jahre Gig“ auf der Lorelei aus?

 

Das Letzte Einhorn: Da gibt es nur ein Wort: Dankbarkeit!

 

DasROCKT!: Hättest du wirklich gedacht, dass die Leute da über Tage so abgehen?

 

Das Letzte Einhorn: Es gab ja Wetten in der Band. Ach, da schuldet der Specki mir übrigens auch noch einen ganzen Kasten edlen Rotwein. Ich habe damals gesagt, dass wir das auf der Lorelei machen sollten und wir das auch ausverkaufen. Er meinte nur „niemals“. Wir haben zwei Tage ausverkauft. Unfassbar! Das kann man sich halt auch mal auf die Fahne schreiben, dass man zweimal die Lorelei ausverkauft hat. Wirklich irre. Das war aber auch ein langer Weg. Das hat uns niemand geschenkt.

 

DasROCKT!: Ihr geht bald auf Tour. Zusammen mit Hämatom, einer uns auch sehr liebgewonnen Band. Wie seid ihr auf sie gekommen?

 

Das Letzte Einhorn: Wir haben mit Fiddler’s Green schon zusammen gespielt. Und der Schlagzeuger ist ja auch bei Hämatom, der uns damals schon angehauen hat. Das ist auch ein Freundschaftsding. Die Band ist auch eine Familie, die sich umeinander kümmert. Man kriegt ja auch immer tausend von Angeboten und vielleicht hätte ich noch wen anders mitgenommen, aber wir sind sieben Leute und wir stimmen das wirklich demokratisch ab. Das finde ich völlig in Ordnung. Ich hätte gerne auch Mantra aus Kroatien mitgenommen, aber das ist natürlich Fahrt- und Kostensache. Eine deutsche Band ist da schon viel einfacher. Jeder legt seine Sachen in die Waagschale und die Mehrheit hat gesagt, dass wir Hämatom mitnehmen. Das hat natürlich mit der Freundschaft von Specki und dem Schlagzeuger zu tun. Ich kenne ihn natürlich auch sehr gut und dann ist das keine Frage.

 

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About The Author

Dani

Redakteur - Verantwortlich für die Bereiche Rock, Metal, Metalcore, Gothic sowie Fotograbenrockerin zum pixeligen Einfrieren von Konzertmomemten.

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